Skandalöse Zustände in Korinth

Anlage 17.a

 

Personen

E

Erzähler

M

Mutter (Eunike)

G

Gast (Juda)

V

Vater (Agathon)

K

Kind (Demetrios / Demetria

 

 

(Es können auch mehrere Rollen von einem Einzigen gesprochen werden.)

 

Wir bereiten das Rollenspiel vor durch einige Informationen:

  1. Zeit: 20 Jahre nach Tod und Auferstehung Jesu (zwischen 53 und 55 n.Chr.)
  2. Informationen zu Paulus
    • Paulus war ein hochgebildeter jüdischer Religionsgelehrter.
    • Er verfolgte die Christen, weil er meinte, sie seien eine schädliche Sekte.
    • Christus erschien ihm vor Damaskus: „Saulus, Saulus, warum verfolgst du mich?“ (A 1)
    • Paulus ließ sich taufen und wurde nun ein glühender Christ und Missionar.
    • Er durchzog Kleinasien und Griechenland und gründete viele Gemeinden.
    • In einer neu gegründeten Gemeinde blieb er in der Regel ein bis zwei Jahre, dann zog er weiter.
    • Eine dieser Gemeinden war Korinth in Griechenland nicht weit von Athen.
    • Heute ist Korinth ein unbedeutendes Städtchen, damals war es eine der größten Städte der Welt.
    • Wir suchen Korinth auf einer Karte im Anhang der Bibel.

1

E

Bei einer Familie in Korinth ist ein Freund aus Jerusalem zu Gast. Man unterhält sich über den Gottesdienst in Korinth. Damals ging der Hl. Messe ein Essen voraus, entsprechend dem Letzten Abendmahl, wie Jesus es mit seinen Jüngern gefeiert hatte. Später hat man das Essen weggelassen, weil es (vor allem in Korinth) zu unhaltbaren Zuständen kam.

2

V

Juda, wenn Du das, was Du gerade erlebt hast, mit Eurem Gottesdienst in Jerusalem vergleichst, was würdest Du sagen?

3

G

Mein lieber Agathon, darf ich offen sprechen?

4

V

Natürlich, deshalb frage ich Dich ja.

5

G

Also ehrlich gesagt, was Ihr hier macht, finde ich absolut skandalös.

6

M

Wir empfinden das genauso. Aber werde mal etwas genauer. Was hat Dich am meisten gestört?

7

G

Na ja, Eure Gemeinde ist ja völlig zerstritten. Die einen schlagen sich den Bauch voll, und die anderen hungern.

8

K

Ja, das stimmt, ich bin schon öfter von unseren Feiern hungrig weggegangen.

9

G

Ich verstehe nicht, wieso Eure Gemeindeleiter nichts dagegen unternehmen.

10

M

Die sitzen doch selber bei den Reichen.

11

G

Was sagst Du da, Eunike? Das darf doch nicht wahr sein!

12

M

Ja, das ist so. Wie ist es denn bei Euch in Jerusalem?

13

G

Also bei uns ist auch nicht alles Gold, was glänzt, aber so was wie hier gibt es nicht. Bei uns bringen alle was mit und dann wird christlich geteilt.

14

M

Ja, so war es hier auch mal, vor vier Jahren, als Paulus die Gemeinde gegründet hat. Aber seitdem er Korinth verlassen hat und Aquila und Priszilla nach Ephesus gezogen sind, haben sich die Reichen ganz allmählich von uns abgesetzt, und jetzt liegen sie auf ihren dicken Polstern, während wir auf Holzbänken sitzen.

15

G

(zum Kind) Wie findest Du das denn, Demetrios / Demetria?

16

K

Na ja, wir Kinder machen das Beste draus. Wenn die Reichen betrunken sind, nehmen wir uns was von ihren Resten.

17

G

Hm, das ist ja auch nicht gerade toll.

18

K

Nein, weiß ich. Aber was sollen wir machen? Hungrig wieder weggehen?

Man muss allerdings schwer aufpassen. Wenn man erwischt wird, geht´s einem dreckig.

19

G

Wieso, was machen sie denn mit Euch?

20

K

Neulich haben sie meinen Freund erwischt. Sie haben ihn gepackt, er musste die Handflächen vorzeigen, und dann haben sie mit einem Stock draufgeschlagen. Er hatte nachher ganz geschwollene Hände.

21

G

Mein Gott, und das wollen Christen sein?

22

V

Ja, es ist wirklich unglaublich. Wir haben nur eine Hoffnung. Wir haben Paulus einen Brief geschrieben und ihm die Zustände geschildert. Wenn er sich für uns einsetzt, wird es vielleicht besser. Es hat sich so viel Wut bei den Armen angesammelt.

23

G

Tja, hoffen wir, dass Paulus genug Autorität hat, um hier Ordnung zu schaffen. Bei Euch gibt es ja leider eine Reihe von Leuten, die von ihm nichts wissen wollen.

24

V

Also, wir sind der Meinung, dass auf die Dauer das Abendessen von der Eucharistiefeier getrennt werden muss. Nur so können wir zu einer würdigen Feier kommen.

25

E

Bald nach diesem Gespräch kam der ersehnte Brief des Apostels Paulus.

Was er geschrieben hat, werden wir gleich lesen, wenn wir einige Fragen besprochen haben.

 

 

 

Fragen zum Rollenspiel

Die Zahlen am linken Rand dienen dazu, unser Kind auf die entsprechende Textstellen hinzuweisen, wenn es eine Frage nicht beantworten kann.

  • Zu welcher Zeit spielt die Szene?
  • In welcher Stadt spielt die Szene?
  • Wer hatte die Gemeinde gegründet?
  • Aus welcher Stadt kam der Gast?
  • Der Gast fand das Verhalten der Reichen in Korinth skandalös. Was kritisierte er? (7)
  • Wie verhielten sich die Kinder? (16)
  • Warum gingen die Gemeindeleiter nicht gegen die Missstände vor? (10)
  • Wie machten es die Christen in Jerusalem mit dem Essen? (13)
  • Worauf setzten die Eltern ihre Hoffnung? (22)

Nun lesen wir, was der Apostel Paulus geschrieben hat:

Wir schlagen das Inhaltsverzeichnis einer Vollbibel (nicht Kinderbibel) auf, unser Kind sucht den 1. Korintherbrief und die Stelle Kapitel 11 und liest die Verse 20 bis 22 vor.

 

Anmerkungen

(A 1) Saulus ist der hebräische Name. Der römische Name Paulus erklärt sich daraus, dass Saulus das römische Bürgerrecht besaß.

 

Hinweis:

Die Gemeindegründungen des Apostels Paulus kann man in diesem spannenden Spiel  erarbeiten:  Google / Paulus-Spiel www.spiele-offensive.de